Mit einer neuen GMP-Anlage baut Evonik seine Entwicklungs- und Produktionskapazitäten für lipidbasierte Wirkstoffabgabe am Standort Vancouver aus. Vorgesehen ist eine Investition von mehr als 150 Millionen kanadischen Dollar, umgerechnet 93 Millionen Euro. Der Strategic Response Fund der kanadischen Regierung unterstützt das Projekt mit bis zu 68 Millionen kanadischen Dollar beziehungsweise 42 Millionen Euro. Die Arzneimittelproduktion soll Ende 2029 anlaufen. Die zusätzlichen Kapazitäten richten sich an Pharma- und Biotech-Unternehmen, die lipidbasierte Arzneimittel wie Impfstoffe und Therapeutika entwickeln. Der Standort soll Projekte bis zur kommerziellen Produktion begleiten und dabei insbesondere die Entwicklung von Lipidnanopartikeln, kurz LNP, und liposomalen Abgabesystemen unterstützen.
Evonik verdreifacht Produktionskapazitäten in Vancouver
Mit der neuen GMP-Anlage sollen sich die derzeitigen Kapazitäten für fortschrittliche pharmazeutische Produkte verdreifachen. Parallel erweitert das Unternehmen die Möglichkeiten zur Qualitätssicherung und für mikrobiologische Tests. Diese zusätzlichen Prüfkapazitäten sollen dazu beitragen, Produkte schneller für den Einsatz in klinischen Studien freizugeben. Vancouver ist für den Konzern bereits seit mehreren Jahrzehnten ein Standort für lipidbasierte Wirkstoffabgabe. Die heutigen Evonik Vancouver Laboratories gehen auf Transferra Nanosciences und Northern Lipids zurück und beschäftigen sich seit den 1990er-Jahren mit entsprechenden Technologien. Das Leistungsspektrum reicht von der Formulierungsforschung über die GMP-Produktion für klinische Studien bis zur Skalierung von Prozessen für eine spätere kommerzielle Herstellung.
Lipidnanopartikel transportieren nukleinsäurebasierte Wirkstoffe
Lipide dienen unter anderem dazu, Wirkstoffe zu verkapseln und ihre Freisetzung im Körper zu steuern. Eine wichtige Anwendung sind nukleinsäurebasierte Wirkstoffe wie mRNA. Lipidnanopartikel schützen diese Moleküle und übernehmen eine Funktion bei ihrem Transport zum vorgesehenen Wirkort. Bekannt wurde die Technologie insbesondere durch ihren Einsatz bei mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19. Mit der zunehmenden Entwicklung nukleinsäurebasierter Therapeutika erwartet Evonik eine weiter steigende Nachfrage nach entsprechenden Abgabesystemen. Nach den vom Unternehmen genannten Marktprognosen soll der weltweite LNP-Markt bis 2034 ein Volumen von 2,7 Milliarden US-Dollar erreichen.
Evonik verbindet Vancouver mit internationalem Produktionsnetzwerk
Der Ausbau in Kanada ist Teil eines standortübergreifenden Netzwerks für Lipide und LNP-Formulierungen. In Vancouver liegt ein Schwerpunkt auf der Entwicklung von Formulierungen und der klinischen Herstellung. Prozesse für fortgeschrittene klinische Studien und die kommerzielle Produktion können anschließend an den Standort Birmingham im US-Bundesstaat Alabama übertragen werden. Weitere Teile der Wertschöpfungskette befinden sich in Deutschland und den USA. In Dossenheim und Hanau produziert der Konzern Lipide und Adjuvantien, während der Cambridge Innovation Satellite im Großraum Boston Forschungs- und Entwicklungskapazitäten bereitstellt. Am Standort Tippecanoe in Lafayette im US-Bundesstaat Indiana entsteht zudem eine neue Produktionsanlage für Lipide. Das Netzwerk verbindet damit Lipidchemie und LNP-Formulierung mit Prozessentwicklung, steriler Herstellung und regulatorischer Expertise.
Vancouver entwickelt sich für Evonik zum Life-Sciences-Standort
Mit der Investition baut Evonik zugleich seine Präsenz im kanadischen Life-Sciences-Cluster aus. In British Columbia sind mehr als 2.000 Unternehmen der Branche mit knapp 20.000 Beschäftigten angesiedelt, ein großer Teil davon im Großraum Vancouver. Die dortige Biotechnologiebranche ist auch mit der University of British Columbia und den aus ihrem Umfeld hervorgegangenen Start-ups und Spin-offs verbunden. Die neue GMP-Anlage soll diese Standortstruktur für die Entwicklung und Herstellung lipidbasierter Arzneimittel nutzen. Für Evonik erweitert Vancouver damit die Kapazitäten innerhalb eines internationalen Netzwerks, das Pharma- und Biotech-Unternehmen von frühen Entwicklungsphasen über klinische Programme bis zur kommerziellen Produktion begleiten soll.