Pharma-Talk mit Peter Bartholomäus von Infraserv Wiesbaden

Vom Reagenzglas zum Patienten

Peter Bartholomäus, Geschäftsleitungsvorsitzender Infraserv Wiesbaden (ISW)

Der Standortbetreiber und Industrieparkdienstleister Infraserv Wiesbaden (ISW) betreibt den 96 Hektar großen Industriepark Kalle-Albert in Wiesbaden. Susanne Woggon von pharmaindustrie-online.de sprach mit dem Geschäftsleitungsvorsitzenden Peter Bartholomäus über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Arzneimittelherstellern. Kompetenzen zu strengen Pharmastandards hat das Unternehmen bereits in einem ersten Pilotprojekt in Marburg bewiesen. Von diesem Wissen sollen in Zukunft auch andere Pharmaunternehmen profitieren.

pharmaindustrie-online.de: Wir hätten uns einen besseren Einstieg gewünscht, aber die Weltwirtschaft schwächelt gerade und die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland ist rückläufig. Macht sich die aktuelle Situation im ISW-Tagesgeschäft bemerkbar?

Dem Industriepark als solches geht es hervorragend. Wir müssen aber zwischen kurz- und langfristigen Effekten unterscheiden. Kurzfristig nehmen die Sorgen am Standort zu. Dabei geht es vor allem um allgemeine Unsicherheiten, wie zum Beispiel durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China oder den Brexit. Wir haben hier sehr anlageintensive Industrien angesiedelt, die mit langen Abschreibungszeiten rechnen. Angesichts des politischen Umfelds gibt es momentan überall eine Scheu vor großen Investitionen. Auch unsere Kunden agieren deshalb momentan mit eher kurzfristigen Entscheidungshorizonten.

Langfristig sind wir jedoch gut aufgestellt. Wir sind gerade dabei, unsere Strategie 2019-2025 zu überprüfen und bis 2030 zu verlängern. Diese Arbeit soll uns den Weg weisen, mit welchen Leistungen wir in zehn Jahren unsere Kunden zufriedenstellen und Geld verdienen können. Mit der umfangreichen Modernisierung unseres Kraftwerks und dem Bau eines neuen Gefahrstofflagers haben wir zuletzt sehr große Investitionen in die Infrastruktur eingeleitet. Beide Projekte sind auch auf mehr Nachhaltigkeit ausgelegt und grundlegende Voraussetzungen, um unseren Kunden dauerhaft wettbewerbsfähige Standortbedingungen zu bieten.

Eine kontinuierliche Aufgabe ist daneben die Optimierung der Flächennutzung, und mittelfristig verfolgen wir das Ziel eines Standortausbaus. Das alles gelingt nur, wenn permanent in Nachhaltigkeit und Infrastruktur investiert wird. Zusammengefasst machen wir uns langfristig keine Sorgen, aber kurzfristig ist das Geschäft sicherlich etwas schwieriger geworden.

pharmaindustrie-online.de: ISW möchte seine Kompetenz im Bereich Rohrleitungssysteme für die Getränkeproduktion eventuell auch auf Pharma übertragen. Wie ist hier der aktuelle Status?

Wir kommen aus der Chemieindustrie, wo überwiegend Schwarzstahl verbaut ist. Zudem kennen wir uns auch aus mit Edelstahlleitungen in der Getränkeindustrie, die aufwändigere Dokumentationen verlangen und höhere Sicherheitserfordernisse rund um das Thema Reinlichkeit haben. In der Pharmaindustrie gibt es noch strengere Standards beispielsweise durch die geforderte FDA-Konformität. Das bedingt eine sehr hohe Genauigkeit bei der Herstellung von Produktions- oder Verpackungsanlagen ebenso wie beim Transport der Wirkstoffe und aller benötigten Medien. Es darf keinerlei Rückstände in den Leitungen geben, um die Endprodukte optimal sicher auf den Markt bringen zu können.

Mit unserer breiten Erfahrung mit dem Thema Produktionssicherheit, der Definition und Einhaltung sogenannter „Good Manufacturing Practices“ in unterschiedlichsten Bereichen und unserem ausgeprägten Bewusstsein für Top-Qualitätsstandards, möchten wir zukünftig auch verstärkt Arzneimittelhersteller ansprechen und uns als Dienstleister anbieten. Ohne Details nennen zu können: In Marburg haben wir kürzlich ein erstes Projekt im Rohrleitungsbau im Pharmaumfeld erfolgreich realisiert. Deshalb sind wir zuversichtlich, auch in unserer Nachbarschaft im Rhein-Main-Gebiet, wo viele Pharmaunternehmen angesiedelt sind, Kundenkontakte zu vertiefen beziehungsweise diese auszubauen und in absehbarer Zeit weitere Pharma-Projekte anzugehen.

Konkret prüfen wir aktuell Möglichkeiten für die Einrichtung neuer Werkstätten, die eine saubere, einwandfreie und normgerechte Verarbeitung der im Pharmasektor verwendeten Werkstoffe ermöglichen. Parallel sind wir außerdem dabei, die Integration der in dieser Branche besonders aufwändigen Dokumentationspflichten in unseren Systemen abzubilden. Das übergeordnete Ziel ist dabei, nicht nur sämtliche Dokumentationsstandards einhalten zu können. Wir wollen hier auch moderne digitale Anwendungen zum Einsatz bringen, um den Kundenkontakt und beispielsweise die Auftragsabwicklungen zu erleichtern. Darüber hinaus geht es perspektivisch auch um die optimale, digital unterstützte Überwachung, Wartung und Instandhaltung der von uns angebotenen und verbauten Leitungssysteme.

Für andere Industriezweige haben wir bereits eine digitale Plattform im Bereich der Auftragsabwicklung von Wartungsarbeiten im Einsatz. Diese Neuerung haben wir mit einem externen Partner realisiert. Sie beinhaltet ein mobiles Endgerät, mit dem unsere Techniker vor Ort alle notwendigen Schritte für einen Wartungsauftrag dokumentieren – von der Angebotserstellung bis hin zur Ergebniskommunikation an den Kunden. Der Kunde kann jederzeit auf seine Daten zugreifen, Papierformulare entfallen und die Kommunikation erfolgt per Mausklick in Echtzeit. Derartige, sogenannte mobile und digitale Assistenzsysteme für die Instandhaltung lassen sich branchenübergreifend einsetzen und auch auf die stark regulierte Pharmabranche übertragen.

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