Einsatz in Ex-Bereichen bis Zone 1/21
Sichere Authentifizierung am HMI: Warum RFID in der Pharmaindustrie an Bedeutung gewinnt
Donnerstag, 05. Februar 2026
| Redaktion
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Das HMI „VisuNet FLX“ mit integriertem RFID-Reader, Not-Aus und Barcode-Scanner für Atex/IECEx Zone 2/22 und Div. 2 für den Einsatz im Reinraum ermöglicht einfache Reinigbarkeit durch möglichst wenig Ablagefläche für Stäube und Flüssigkeiten
Das HMI „VisuNet FLX“ mit integriertem RFID-Reader, Not-Aus und Barcode-Scanner für Atex/IECEx Zone 2/22 und Div. 2 für den Einsatz im Reinraum ermöglicht einfache Reinigbarkeit durch möglichst wenig Ablagefläche für Stäube und Flüssigkeiten, Bild: Pepperl+Fuchs

Der Schichtwechsel im Reinraum ist Routine, und doch jedes Mal eine kleine Herausforderung. Mehrere Bediener arbeiten an derselben Linie, tragen Schutzkleidung und Handschuhe. Die Umgebung ist streng reguliert. Am HMI angekommen, folgt die Anmeldung im MES- oder DCS-System: Benutzername und Passwort mit Mindestlänge, Groß- und Kleinbuchstaben, Ziffern und Sonderzeichen. Ein Tippfehler genügt, und der Vorgang beginnt von vorn. Was wie ein Detail wirkt, wird im Produktionsalltag schnell zu einem systemischen Thema und hat Auswirkungen auf Effizienz, Sicherheit und Compliance zugleich.

Saubere Logins für saubere Prozesse

Gerade in GMP-regulierten Umgebungen kommt hinzu, dass Bedienhandlungen lückenlos rückverfolgbar sein sollen und sich eindeutig einer Person zuordnen lassen. Gleichzeitig müssen Authentifizierungsverfahren unter realen Bedingungen funktionieren. Biometrische Ansätze klingen naheliegend, stoßen im Reinraum jedoch oft an Grenzen. Fingerabdrucksensoren sind mit mehreren übereinander getragenen Handschuhen kaum praktikabel, Gesichtserkennung wird durch Masken und Schutzkleidung erschwert und die Option eines Iris-Scans ist aktuell noch selten praxistauglich umgesetzt. Umso wichtiger werden praxistaugliche Verfahren, die Sicherheit und Bedienbarkeit zusammenbringen.

Ein Blick auf RFID zeigt, warum sich diese Technologie in der Pharmaindustrie nicht nur zur Produktidentifikation etabliert hat, sondern zunehmend auch für die Nutzerauthentifizierung am HMI interessant wird. Während RFID im Material- und Prozesskontext bereits Transparenz schafft, kann es beim Login helfen, Zugriffe schneller und nachvollziehbarer zu gestalten.

RFID: Produktidentifikation vs. Nutzerauthentifizierung

RFID ist in der Pharmaindustrie seit langem etabliert, etwa zur Materialverfolgung oder Produktidentifikation. In diesen Anwendungen sorgt die Technologie für Transparenz. Materialien lassen sich eindeutig zuordnen, Prozessschritte sauber dokumentieren, Verwechslungen reduzieren. Doch je digitaler Produktions- und Dokumentationsprozesse werden, desto stärker rückt eine zweite Dimension in den Fokus. Nicht nur „was“ wurde verarbeitet oder bewegt, sondern auch „wer“ hat welchen Schritt ausgeführt.

An dieser Stelle setzt die Nutzerauthentifizierung an. Während RFID bei der Produktidentifikation vor allem Prozesse absichert, schafft es bei der Anmeldung am HMI die Grundlage für eine klare Verantwortlichkeit und kontrollierte Zugriffe. Denn in GMP-regulierten Umgebungen geht es nicht allein um Komfort, sondern um die eindeutige Zuordnung von Handlungen, die Vermeidung unberechtigter Zugriffe und die durchgängige Nachvollziehbarkeit im System.

In der Praxis: Nutzerauthentifizierung am HMI über RFID

Die Realität in vielen Produktionsumgebungen ist bekannt. Um Abläufe nicht zu behindern, werden Zugangsdaten mitunter geteilt oder am Gerät hinterlegt. Das ist nachvollziehbar, aber aus Security-Sicht riskant. Denn Aktionen sind nicht mehr eindeutig zuordenbar und ein unbefugter Zugriff kann nicht ausgeschlossen werden.

RFID kann hier ein pragmatischer Baustein sein. Der Werksausweis ist oft ohnehin vorhanden, die Anmeldung erfolgt in wenigen Sekunden und ist auch mit Handschuhen gut umsetzbar. Damit sinkt die Hürde für saubere, personenbezogene Logins und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sichere Verfahren im Alltag konsequent genutzt werden. In der Praxis lassen sich unterschiedliche Konzepte abbilden, von RFID als komfortablem Login-Medium bis hin zu Kombinationen aus RFID und Passwort als Multi-Faktor-Ansatz. So entsteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sicherheit und Bedienbarkeit, ohne Arbeitsabläufe unnötig zu verkomplizieren.

Anforderungen an ein HMI in der Pharmaindustrie

Authentifizierung ist dabei nur ein Aspekt eines komplexen Anforderungsprofils. HMIs müssen in pharmazeutischen Produktionsumgebungen hygienegerecht gestaltet, leicht zu reinigen und beständig gegenüber Reinigungs- und Desinfektionsmitteln sein. Hinzu kommen hohe Anforderungen an Verfügbarkeit und Robustheit sowie, je nach Einsatzort, ein zertifizierter Explosionsschutz, bis hin zu Anwendungen in Zone 1/21. Für international ausgerollte Produktionsumgebungen spielen zudem passende weltweite Zulassungen und Zertifizierungen eine wichtige Rolle.

Moderne HMI-Plattformen wie „VisuNet FLX“ und „VisuNet GXP“ von Pepperl+Fuchs zeigen, wie sich diese Anforderungen in modularen Konzepten umsetzen lassen. Sie ermöglichen die Integration von RFID-Lesern, unterstützen den Einsatz in Ex-Bereichen bis Zone 1/21 und bieten eine mit ihrem modularen Aufbau eine praxistaugliche Möglichkeit, auf neue Anforderungen zu reagieren. Gerade die Modularität wird dabei zum entscheidenden Faktor. Sie schafft Investitionssicherheit und erleichtert es, Authentifizierungskonzepte über den Lebenszyklus hinweg weiterzuentwickeln.

Ausblick: Multi-Faktor-Authentifizierung am HMI über RFID

Künftig dürften kombinierte Ansätze wie RFID plus Passwort als Multi-Faktor-Authentifizierung an Bedeutung gewinnen. Biometrie wird zwar diskutiert, ist in Reinraum- und Ex-Umgebungen aktuell jedoch meist noch schwer praxistauglich umzusetzen. RFID am HMI bleibt damit ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu robusten, alltagstauglichen Authentifizierungskonzepten in der Pharma-Produktion.

Autor

Yannick Klein
Product Marketing Manager, Pepperl+Fuchs

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