Die deutsche Pharma- und Chemieindustrie ist mit einem schwachen Auslandsgeschäft in das Jahr gestartet. In den ersten Monaten lagen die Exporte der chemisch-pharmazeutischen Industrie in allen Weltregionen unter dem Vorjahresniveau. Damit konnte die Branche nicht vom Wachstum in anderen Märkten profitieren. Neben einer insgesamt verhaltenen Nachfrage belasten strukturelle Standortnachteile die internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Pharma- und Chemieindustrie verliert an Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich
Ein zentraler Faktor für die schwache Entwicklung ist die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Hohe Energiepreise, zunehmende regulatorische Anforderungen und langwierige Genehmigungsverfahren erschweren es den Unternehmen, ihre Produkte international zu platzieren. Hinzu kommen geopolitische Entwicklungen, die zusätzlichen Druck erzeugen. Steigende Produktionskosten infolge internationaler Konflikte sowie Unsicherheiten durch handelspolitische Maßnahmen, insbesondere aus den USA, beeinflussen die Exportbedingungen negativ.
Schwacher Exportentwicklung für Pharma- und Chemieindustrie in allen Regionen
Die Exportzahlen zeigen ein einheitliches Bild: In sämtlichen Absatzregionen verzeichnete die Chemieindustrie Rückgänge. Auch im Pharmabereich entwickelte sich das Auslandsgeschäft zum Jahresbeginn schwach. Eine Ausnahme bildet Nordamerika, wo sich die Nachfrage vergleichsweise stabil zeigte. Die Branche konnte damit nicht an die Dynamik anderer Weltregionen anknüpfen. Dies verdeutlicht die strukturellen Herausforderungen, mit denen die Unternehmen derzeit konfrontiert sind.
Geschäftserwartungen in der Pharma- und Chemieindustrie trüben sich ein
Die Erwartungen für die kommenden Monate fallen entsprechend verhalten aus. Laut aktuellen Daten des Ifo-Instituts haben sich die Geschäftserwartungen in der Branche deutlich verschlechtert. Insbesondere das Exportgeschäft wird von den Unternehmen zunehmend kritisch bewertet. Zwar hat die Europäische Union ihre handelspolitischen Aktivitäten zuletzt ausgeweitet und treibt Freihandelsabkommen voran. Diese Maßnahmen können jedoch nur dann Wirkung entfalten, wenn parallel die Standortbedingungen verbessert werden.
VCI fordert politische Reformen zur Entlastung
Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie, sieht dringenden Handlungsbedarf: „Schon seit Jahren stimmen die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Industrie ,Made in Germany' nicht mehr. Deshalb profitieren wir nicht vom Wachstum anderer Weltregionen. Hohe Kosten und eine lähmende Bürokratie drücken den früheren Exportweltmeister nach unten. Deutschland wird als Industriestandort weiter abgehängt. Die Politik verharrt trotzdem im Schneckentempo und verschleppt überfällige Reformen. Unsere Industrie braucht dringend Entlastungen. Sonst könnte es mit der einst so starken Exportdynamik Deutschlands künftig Essig sein.“