Halbjahresbilanz zeigt sinkende Produktion und anhaltende Investitionsschwäche
Deutsche Chemie- und Pharmaindustrie verzeichnet erneut rückläufige Investitionen
Freitag, 17. Juli 2026
| Redaktion
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v.l.n.r: Ilka Ennen, Leiterin der VCI-Pressestelle; Dr. Markus Steilemann, Präsident VCI und CEO Covestro und Dr. Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer VCI auf der Halbjahrespressekonferenz am 16. Juli 2026 in Frankfurt am Main
v.l.n.r: Ilka Ennen, Leiterin der VCI-Pressestelle; Dr. Markus Steilemann, Präsident VCI und CEO Covestro und Dr. Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer VCI auf der Halbjahrespressekonferenz am 16. Juli 2026 in Frankfurt am Main, Bild: VCI / Thomas Lohnes

Die Chemie- und Pharmaindustrie in Deutschland kommt nach Einschätzung des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) weiterhin nicht aus der Krise. Im ersten Halbjahr 2026 lag die Produktion rund drei Prozent unter dem Vorjahresniveau. Der Branchenumsatz sank um ein Prozent auf 106 Milliarden Euro. Gleichzeitig gingen die Investitionen das dritte Jahr in Folge zurück. „Die Halbjahresbilanz ist enttäuschend“, erklärt VCI-Präsident Markus Steilemann. „Eine leichte Belebung ist kein Grund zur Entwarnung. Dafür sind vor allem Sondereffekte aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten verantwortlich. Wir erleben nur eine Atempause, keine Trendwende.“

Chemie- und Pharmaindustrie produziert weiter unter Vorjahresniveau

Nach Angaben des VCI sorgten geopolitische Entwicklungen zeitweise für eine leichte Stabilisierung des Inlandsgeschäfts. Unternehmen füllten aufgrund des Konflikts im Nahen Osten ihre Lagerbestände auf, um möglichen Versorgungsengpässen vorzubeugen. Gleichzeitig verringerte sich der Wettbewerbsdruck aus Asien vorübergehend durch die Sperrung der Straße von Hormus. Dennoch bleiben die Exporte schwach. Viele Produktionsanlagen sind weiterhin nicht ausgelastet. Produktion und Absatz liegen deutlich unter dem Niveau des Jahres 2021.

Investitionen gehen das dritte Jahr in Folge zurück

Besonders kritisch bewertet der Verband den anhaltenden Rückgang der Sachanlageinvestitionen. Diese liegen inzwischen rund 15 Prozent unter dem Niveau des Jahres 2023. Nach Einschätzung des VCI passt diese Entwicklung zu einem insgesamt schwachen Investitionsklima in Deutschland und Europa. Hohe Energie- und Produktionskosten sowie schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen bremsen Investitionen in neue Anlagen und Zukunftstechnologien.

Chemische Industrie fordert bessere Standortbedingungen

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der VCI mit einem Produktionsrückgang von 1,5 Prozent. Angesichts der geopolitischen Unsicherheiten verzichtet der Verband auf weitergehende Prognosen. Aus Sicht des VCI muss das von der Bundesregierung angestoßene Reformpaket nun konsequent fortgeführt werden. „Das Reformpaket der schwarz-roten Koalition ist der erste ernsthafte Versuch seit Jahren, die regulatorischen Ketten des Standorts Deutschland zu sprengen. Dieser Kurs muss konsequent fortgesetzt werden. Zusätzliche Belastungen würden die Lage weiter verschärfen“, betont Markus Steilemann.

Unternehmen leiden unter Kosten- und Wettbewerbsdruck

Steigende Kosten, schwache Absatzmengen und der intensive internationale Wettbewerb belasten nach wie vor die Ertragslage vieler Unternehmen. Gleichzeitig sehen zahlreiche Betriebe die Gefahr einer fortschreitenden Deindustrialisierung. Nach einer aktuellen Mitgliederumfrage des VCI halten mehr als 80 Prozent der Unternehmen die politischen Maßnahmen gegen diese Entwicklung für nicht ausreichend. Der Verband fordert deshalb wettbewerbsfähige Unternehmenssteuern, niedrigere Arbeitskosten, schnellere Genehmigungsverfahren und weniger Bürokratie.

Chemie- und Pharmaindustrie sieht Reformen als Voraussetzung für Wachstum

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage sieht der VCI weiterhin großes Potenzial für den Industriestandort Deutschland. „Deutschland hat die industrielle Substanz und die Innovationskraft. Jetzt ist die Zeit, diese Stärken wieder zur Entfaltung zu bringen. Dazu brauchen wir auch einen Mentalitätswandel hin zu mehr Offenheit, Veränderungsbereitschaft und Eigenverantwortung. Entscheidend ist die Einsicht, dass die Kosten des Nicht-Handelns größer werden als die Kosten gemeinsamer Reformen“, sagt Markus Steilemann. Der Verband sieht umfassende Strukturreformen als entscheidende Voraussetzung, um die Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie nachhaltig zu stärken und neue Investitionen anzustoßen.

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