Die Pharma- und Chemieindustrie sieht die Transformation hin zur Klimaneutralität weiterhin als zentrales Zukunftsziel. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Unternehmen durch hohe Kosten, internationale Konkurrenz und unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Auf der Veranstaltung „Standort unter Druck“ der Nachhaltigkeitsinitiative „Chemiehoch3“ in Berlin haben der Verband der Chemischen Industrie (VCI), der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und die Industriegewerkschaft IGBCE deshalb gemeinsam für bessere Standortbedingungen geworben. Ihr gemeinsames Signal: Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit müssen gleichermaßen berücksichtigt werden.
Pharma- und Chemieindustrie braucht wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen
Nach Auffassung der drei Organisationen hängt der Erfolg der Transformation maßgeblich von den politischen Rahmenbedingungen ab. Dazu zählen wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere Genehmigungsverfahren sowie ein innovationsfreundliches Umfeld, das Investitionen in Deutschland erleichtert. „Die Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie stehen zum Ziel der Klimaneutralität und treiben die Transformation voran“, erklärt Markus Steilemann, Präsident des Verbands der Chemischen Industrie. „Damit diese Transformation in Deutschland und Europa gelingt, brauchen wir jedoch einen klaren politischen Kurs: wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere Genehmigungen und ein innovationsfreundliches Umfeld. Nur so können wir Investitionen hier halten und neue anziehen.“
Wettbewerbsfähigkeit bleibt für Pharma- und Chemieindustrie entscheidend
Aus Sicht der Arbeitgeber wird der wirtschaftliche Druck auf die Branche zunehmend größer. Hohe Energie-, Arbeits- und Bürokratiekosten erschweren Investitionen und beeinträchtigen die internationale Wettbewerbsfähigkeit. „Die Transformation ist ein harter Stresstest für unsere Branche, gerade angesichts der geopolitischen Krisen und der großen Herausforderungen am Standort Deutschland“, betont Katja Scharpwinkel, Präsidentin des Bundesarbeitgeberverbands Chemie. „Nur wenn wir Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen, können wir Arbeitsplätze in der Branche halten und unseren Beitrag zu ökologischen Zielen wie CO2-Reduktion oder Kreislaufwirtschaft leisten.“
Beschäftigung rückt stärker in den Fokus
Neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spielt auch die Sicherung von Industriearbeitsplätzen eine zentrale Rolle. Die IGBCE verweist auf den anhaltenden Beschäftigungsabbau in der Industrie und fordert gemeinsam mit Politik und Unternehmen Maßnahmen zur Stärkung des Standorts. „Deutschland verliert aktuell mehr als 10.000 Industriearbeitsplätze pro Monat, und ein Teil davon ist aus der Chemie“, sagt Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IGBCE. „Wir müssen diesen Aderlass endlich stoppen und die Industrie wieder auf Wachstumskurs bringen.“
Pharma- und Chemieindustrie setzt auf gemeinsamen Dialog
Die gemeinsame Veranstaltung von VCI, BAVC und IGBCE unterstreicht den Schulterschluss zwischen Industrie, Arbeitgebern und Gewerkschaft. Mit der Nachhaltigkeitsinitiative „Chemiehoch3“ wollen die drei Organisationen Unternehmen bei der praktischen Umsetzung nachhaltiger Strategien unterstützen. Gleichzeitig soll der Dialog über Zielkonflikte und Lösungsansätze gefördert werden. Dabei steht der Anspruch im Mittelpunkt, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, soziale Verantwortung und Umweltschutz gleichermaßen zu berücksichtigen. Man wolle tragfähige Lösungen für die Transformation der Branche zu entwickeln.
Transformation der Branche braucht verlässliche Perspektiven
Die gemeinsame Position von Industrie, Arbeitgebern und Gewerkschaft macht deutlich, dass die Pharma- und Chemieindustrie ihre Klimaziele nicht infrage stellt. Damit die Transformation gelingt, seien jedoch wettbewerbsfähige Standortbedingungen erforderlich. Nur wenn wirtschaftliche Stabilität, Investitionen und Innovationen zusammenkommen, kann die Branche ihre Rolle als wichtiger Bestandteil der industriellen Wertschöpfung in Deutschland langfristig sichern.