Die Einhaltung von EU GMP Annex 1 stellt derzeit eine der größten Herausforderungen für Pharmahersteller und Lohnabfüller dar. Das gilt auch für Inibsa, einen weltweit führenden Anbieter von Dentalmedizin. In Zusammenarbeit mit Imco und Syntegon hat Inibsa nicht nur eine neue Linie mitsamt Restricted Access Barrier System in Betrieb genommen. Auch wurde eine bestehende Linie nachgerüstet, um für einen reibungslosen Übergang mit minimalen Stillstandzeiten zu sorgen.
Seit Inkrafttreten im August 2023 hat Annex 1 die aseptische pharmazeutische Herstellung nachhaltig verändert. Hauptziel der Richtlinie ist die Trennung des sterilen Prozessbereichs von der Bedienumgebung, um menschliche Eingriffe und das Risiko einer Produktkontamination auf ein Minimum zu reduzieren. Das Dokument empfiehlt ausdrücklich den Einsatz geeigneter Barrieretechnologien wie Isolatoren und Restricted Access Barrier System, kurz: RABS. Infolgedessen benötigen pharmazeutische Hersteller und Lohnabfüller (CMOs) mindestens RABS für die Zulassung neuer Produkte.
Inibsa: Weltweiter Hersteller von Zahnanästhetika
Dies gilt auch für Inibsa, ein Unternehmen auf dem globalen Dentalmarkt mit einer langen Innovationsgeschichte. Diese begann 1948 mit dem ehrgeizigen Ziel, die Gesundheit der Menschen in Spanien zu verbessern. In den 1970er Jahren nahm das Unternehmen die ersten Dentalprodukte in sein Portfolio auf, gefolgt von der Einführung der ersten Anästhetika als Eigenmarke im Jahr 1985. Heute ist das Unternehmen der zweitgrößte Hersteller von Zahnanästhetika weltweit und in mehr als 60 Ländern tätig. An seinem Hauptsitz in Lliçà de Vall in der Nähe von Barcelona in Spanien produziert Inibsa Medikamente für zahlreiche Kunden sowie für das eigene Produktportfolio.
„Wir haben schon immer eine Vision verfolgt: eine Vorreiterrolle bei der Produktentwicklung und den Dienstleistungen für unsere CMO-Kunden, Zahnärzte und Patient:innen einzunehmen“, erläutert Raquel Arenós, Chief Operating Officer bei Inibsa. „Das Gleiche gilt natürlich auch für unsere Produktionsstätte, die wir kontinuierlich erweitern und an neue Anforderungen anpassen.“ Die jüngste Veränderung bestand darin, den Produktionsbereich in zwei separate sterile Bereiche zu unterteilen, von denen einer speziell für Abfüllprozesse mit RABS gemäß den Anforderungen von Annex 1 ausgelegt ist.
Enge Zusammenarbeit zwischen Inibsa, Imco und Syntegon
Um den neu entstandenen Sterilbereich mit den passenden Anlagen auszustatten und die Produktionskapazitäten weiter auszubauen, entschied sich Inibsa für den Kauf einer Füll- und Verschließlinie mit integriertem RABS. „Wie immer bei neuen Maschinenprojekten haben wir uns zunächst an unseren Partner Imco gewandt, um den Prozess in Gang zu setzen“, erinnert sich Raquel Arenós. Auf dem hart umkämpften spanischen Markt fungiert Imco als erster Ansprechpartner für lokale Unternehmen im Auftrag des globalen Technologielieferanten Syntegon und hat im Laufe der Jahre viele wichtige Projekte begleitet. „Wir arbeiten schon lange mit Imco zusammen. Sie kennen unseren Standort, wissen, wie wir arbeiten, verstehen unsere Bedürfnisse und unterstützen uns dabei, den Prozess zu beschleunigen.“
Syntegon und Inibsa blicken ebenfalls auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit zurück: In den letzten zehn Jahren wurden bereits drei MLD-Abfüllanlagen für Karpulen von Syntegon installiert. Einer der Hauptvorteile liegt im konsistenten Projektmanagement. Danilo Bongiovanni, Service Project Engineer bei Syntegon, begleitete bereits die Installation der ersten MLD-Anlage bei Inibsa und unterstützte auch das neue Projekt von der Anforderungsspezifikation bis zur Inbetriebnahme. „Während des Bestellprozesses für die neue Anlage wurde uns schnell klar, dass wir auch eine der bestehenden Anlagen um RABS ergänzen wollten. Wir wussten, dass Syntegon und insbesondere Danilo über das nötige technische Know-how und die Erfahrung in einem für uns neuen Bereich verfügen“, erläutert Enara Pedroviejo, Produktionsleiterin bei Inibsa.
RABS-Upgrade für schnellere Annex 1-Compliance
In den Jahren nach der Veröffentlichung des Annex 1 gab es einen regelrechten Ansturm auf RABS-Upgrades, der bis heute nicht abreißt. Danilo Bongiovanni bestätigt: „Wir haben bereits mehr als 30 erfolgreiche RABS-Upgrades durchgeführt. Daher wissen wir genau, wie wir die Anlagen unserer Kunden so schnell wie möglich an ihre individuellen Anforderungen anpassen können.“ Abgesehen von einer Reihe baulicher Besonderheiten am Produktionsstandort von Inibsa löste das Team mehrere technische Herausforderungen: die Anpassung der RABS-Handschuheingriffe, die Einführung eines Handschuhprüfsystems und die Schulung der Bedienerinnen an einer Anlage, die sich deutlich von der gewohnten unterscheidet.
Basierend auf den Erfahrungen aus zahlreichen RABS-Nachrüstprojekten entwarf Syntegon einen fahrbares Mock-up‑Gestell auf Rädern mit höhen- und seitlich verstellbaren Handschuheingriffen, um gemeinsam mit dem Konstrukteur und dem Personal vor Ort die zukünftigen Handschuhpositionen zu definieren. Diese Handschuheingriffe sind elementar, um das Öffnen der Glastüren zu vermeiden, etwa beim Wechseln der Sedimentationsplatten oder im Falle eines manuellen Eingriffs zur Fehlerbehebung. Das Modell ermöglichte es, Routinevorgänge und Eingriffe an jeder der Positionen der Anlage zu simulieren und zu bewerten, und somit die ideale Position der Handschuhe zu bestimmen. „Zugänglichkeit und Bedienerfreundlichkeit sind im täglichen Betrieb ausschlaggebend“, betont Enara Pedroviejo.
Nahtlose Lösung für technische Herausforderungen
„Die meisten unserer Bedienerinnen sind weiblich, während die meisten Wartungstechniker männlich sind. Daher mussten wir bei der Festlegung der richtigen Position der Handschuhe den Größenunterschied berücksichtigen“, erklärt Enara Pedroviejo. Nachdem der bestmögliche Kompromiss für alle Mitarbeitenden gefunden war, wurde die Anlage mit 21 Handschuheingriffen ausgestattet. Doch die Handschuhe selbst brachten eine weitere Herausforderung mit sich: Gemäß Annex 1 „sollten sie bei jedem Gebrauch einer visuellen und in regelmäßigen Abständen einer Integritätsprüfung unterzogen werden.“ Inibsa entschied sich für das Stand-Alone Online-Handschuhprüfsystem „KHD 3000“ von Syntegon. Damit lassen sich alle Handschuhe gleichzeitig prüfen, während die Messdaten sofort über WLAN an das HMI übertragen werden.
Nach der Mock-up-Phase wurde die bestehende MLD-Linie mit dem RABS-System nachgerüstet. Die Experten der Syntegon-Tochter Valicare qualifizierten und validierten sowohl den neuen Prozess als auch das Handschuhprüfsystem. Während der Inbetriebnahme erhielt das komplette Bedien- und Wartungspersonal von Inibsa eine intensive Schulung, um einen reibungslosen Übergang vom alten zum neuen Sterilbereich sicherzustellen. Sie wurden in drei Schichten jeweils eine Woche zu den Themen Handschuhe, Anschlüsse und Prüfsystem ausgebildet. Heute sorgt das RABS Mock-Up-Modell im Schulungszentrum von Inibsa dafür, dass sich sowohl bestehende als auch neue Mitarbeitende ohne weitere Stillstandzeiten mit den Prozessen der RABS-Linie vertraut machen können.
Inibsa verbucht Nachrüstung als erfolgreichem Ergebnis
Rückblickend sind sich die Experten von Inibsa einig, dass eine RABS-Nachrüstung ein großer Eingriff ist. „Wer ein solches Upgrade durchführen möchte, muss sich bewusst sein, dass das Projekt sowohl erhebliche Auswirkungen auf die Kapazität des Standorts als auch auf die Gesamtanlageneffektivität der Linie hat. Daher ist es sehr wichtig, die Umsetzung so schnell wie möglich zu realisieren, um Stillstandzeiten auf ein Minimum zu beschränken“, erklärt Enara Pedroviejo. „Eine enge Zusammenarbeit mit den Projektpartnern ist für den Erfolg unerlässlich“, fügt Raquel Arenós hinzu. „Sobald die Anlage reibungslos läuft, reduziert sie die Kontamination erheblich und erhöht die Qualität. Und genau das ist es, was die Aufsichtsbehörden und unsere Kunden von einem Branchenführer erwarten.“ Tatsächlich hat Inibsa bereits einen neuen Kunden für sein CMO-Geschäft gewonnen, was ohne eine Annex 1-konforme Anlage nicht möglich gewesen wäre.
Autor
Domenico Legrottaglie
Projektmanager Service bei Syntegon