
Sanofi hat eine Vereinbarung zur Übernahme von Vigil Neuroscience geschlossen. Das auf neurodegenerative Erkrankungen spezialisierte Biotechnologieunternehmen bringt einen wichtigen Wirkstoffkandidaten in die Pipeline des französischen Pharmakonzerns ein. Dieser soll in einer Phase-2-Studie zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit untersucht werden soll. Die Transaktion stärkt den strategischen Therapiebereich Neurologie bei Sanofi und erweitert das Entwicklungsportfolio um eine potenzielle Therapie gegen Alzheimer.
Wirkstoffkandidat ergänzt Sanofis Pipeline in der Neurologie
Der Wirkstoffkandidat ist ein oral verfügbarer, niedermolekularer TREM2-Agonist. Das Molekül soll die Aktivität von Mikrogliazellen im zentralen Nervensystem anregen und dadurch deren neuroprotektive Funktion fördern. Bei Alzheimer-Patienten ist diese Funktion häufig beeinträchtigt, was zur Ansammlung von Zelltrümmern, chronischer Entzündung und fortschreitendem neuronalen Abbau führt. Die Aktivierung von TREM2 kann nach aktuellem Forschungsstand die Beweglichkeit, Phagozytose und das Überleben der Mikroglia verbessern.
Das Pharmaunternehmen sieht in der TREM2-Aktivierung ein vielversprechendes Ziel an der Schnittstelle von Immunstörung und Neurodegeneration. Houman Ashrafian, Head of R&D bei Sanofi erklärt, die Übernahme unterstütze die strategische Ausrichtung auf neurologische Erkrankungen und unterstreiche die Bedeutung des Bereichs innerhalb der Forschungsaktivitäten. Die Fachkompetenz von Vigil sei eine sinnvolle Ergänzung zur bestehenden Expertise, insbesondere im Hinblick auf neue Therapieansätze bei Alzheimer.
Vigil bringt Know-how und Entwicklungsvorsprung ein
Ivana Magovčević-Liebisch, CEO von Vigil, verweist auf die bisherigen Fortschritte in der Entwicklung TREM2-basierter Therapeutika. Das Unternehmen sehe in der Übernahme durch Sanofi die Möglichkeit, die Entwicklung des Wirkstoffkandidaten zu beschleunigen. Die Integration in Sanofis Forschungsumfeld und globale Infrastruktur soll dazu beitragen, das volle Potenzial auszuschöpfen. Vigil bleibt als Team in den Entwicklungsprozess eingebunden.
Sanofi hatte sich 2024 bereits strategisch an Vigil beteiligt
Bereits im Juni 2024 hatte Sanofi eine strategische Investition in Höhe von 40 Millionen Dollar in Vigil getätigt. Diese beinhaltete ein exklusives Erstverhandlungsrecht auf eine mögliche Lizenzierung des Wirkstoffkandidaten. Mit der nun angekündigten Übernahme setzt Sanofi diese Option in die Tat um und sichert sich vollständigen Zugriff auf die Substanz. Das zweite Entwicklungsprogramm von Vigil, ist nicht Teil der Übernahme.
Details zur Übernahme und Auswirkungen für Sanofi
Sanofi wird sämtliche ausstehende Aktien von Vigil zu einem Preis von erwerben. Das entspricht einem Unternehmenswert von rund 470 Millionen Dollar. Zusätzlich erhalten die bisherigen Anteilseigner eine nicht übertragbare bedingte Forderung über zwei Dollar je Aktie, die bei erfolgreicher Markteinführung des Wirkstoffs ausgezahlt wird. Derzeit liegt bereits die Zustimmung wichtiger Aktionäre vor, die zusammen 16,2 Prozent der Anteile halten. Der Abschluss der Übernahme wird für das dritte Quartal 2025 erwartet. Sanofi geht davon aus, dass sich die Transaktion nicht auf die Finanzplanung für das laufende Jahr auswirkt.