Das französische Unternehmen Innoverda hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2017 als Impulsgeber für nachhaltige Syntheseverfahren in der pharmazeutischen Industrie etabliert. Der Fokus liegt auf der Elektrosynthese als umweltschonende Alternative zu konventionellen Produktionsmethoden. Bereits 2019 wurde Innoverda als Start-up des Monats durch das International Sustainable Chemistry Collaborative Centre (ISC3) ausgezeichnet. Heute ist das Unternehmen Teil von Diverchim, einem Spezialisten für die Entwicklung und Herstellung von pharmazeutischen Wirkstoffen in kleinen Mengen.
Kosteneffiziente und ressourcenschonende Herstellung pharmazeutischer Inhaltsstoffe
Durch den Einsatz von Elektrosynthese und Elektrodialyse reduziert Innoverda den Verbrauch fossiler Rohstoffe und schädlicher Reagenzien, während gleichzeitig Energie eingespart wird. Diese Technologien bieten eine kosteneffiziente und ressourcenschonende Möglichkeit zur Herstellung pharmazeutischer Inhaltsstoffe. Ein Beispiel ist die Einführung der Elektroreduktion in der pharmazeutischen Produktion. Weitere Projekte umfassen das Recycling von Reagenzien mittels Elektrodialyse sowie die Beteiligung an einem europäischen Netzwerk zur industriellen Nutzung der Fließelektrosynthese.
Innoverda setzt auf Systemdenken, Kreislaufwirtschaft und grüne Chemie
Die Übernahme durch Diverchim ermöglicht Innoverda die Skalierung der Prozesse unter GMP-Bedingungen. Damit unterstützt das Unternehmen die Entwicklung umweltfreundlicher Wirkstoffe in industriellem Maßstab. Laut Gründerin Dr. Irene Erdelmeier basiert der Erfolg auf der konsequenten Anwendung der Prinzipien der nachhaltigen Chemie, darunter Systemdenken, Kreislaufwirtschaft und grüne Chemie. Unterstützt wurde Innoverda auf diesem Weg vom ISC3 Start-up Service, insbesondere durch Workshops, Pitch-Formate auf der Achema und den Austausch mit internationalen Gründerteams. Die Sichtbarkeit und die Entwicklung unternehmerischer Schlüsselkompetenzen wurden dadurch nachhaltig gestärkt. Mit zwei international angemeldeten Patenten für neue Verfahren und einem wachsenden Projektportfolio positioniert sich das Unternehmen als fester Bestandteil einer nachhaltig orientierten pharmazeutischen Industrie in Frankreich.
Positionierung als fester Bestandteil einer nachhaltigen Industrie
Dr. Irene Erdelmeier blickt auf die Entwicklung von Innoverda seit der Auszeichnung durch das ISC3 zurück. Sie erläutert, wie das Unternehmen nachhaltige Chemie in der industriellen Wirkstoffproduktion umsetzt und welche Projekte dabei besonders prägend waren.
Was bedeutet Nachhaltige Chemie für Sie?
Nachhaltige Chemie ist zusammen mit einer verbesserten Kosteneffizienz die wichtigste Triebfeder für die Umsetzung neuer Technologien, die auf nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Produktionsprozesse für wichtige Produkte wie pharmazeutische Wirkstoffe abzielen. Nicht zuletzt haben wir die Erfahrung gemacht, dass Studenten und die neue Generation von Chemikern die Entwicklung einer verantwortungsvollen Nachhaltigen Chemie für die Zukunft fordern, sich stark für diesen Ansatz interessieren und sich daher an der Entwicklung unserer neuen Technologien beteiligen möchten.
Wo stehen Sie heute im Vergleich zu dem Zeitpunkt, als Sie zum Start-up des Monats ausgezeichnet wurden?
In den vergangene fünf Jahren hat sich Innoverda zu einem anerkannten Innovationstreiber für die französischen Auftragsforschungsinstitute und Auftragsentwicklungs- und -herstellungsunternehmen entwickelt, die in der pharmazeutischen und chemischen Industrie tätig sind. Unsere Spezialisierung auf die Entwicklung von Elektrosynthese und Elektrodialyse als neuartige und kosteneffiziente Verfahren wird heute in der Branche anerkannt. Während unser Team gleich groß geblieben ist, haben sich unsere Einnahmen nach der schwierigen Pandemie jährlich fast verdoppelt.
Wie haben Sie von der Zusammenarbeit mit dem ISC3 und der Förderung durch den ISC3 Global Start-up Service profitiert?
Wir haben in mehrfacher Hinsicht profitiert und sind dankbar für die kontinuierliche Unterstützung. Die Workshops des ISC3 waren ebenso wie die Präsentation und Veröffentlichungen von Prof. Klaus Kümmerer ausgezeichnete Leitlinien zur Ermittlung von Prioritäten und sehr inspirierend für unsere tägliche Arbeit. Darüber hinaus konnten wir unsere Bekanntheit unter anderem durch die Teilnahme am ISC3 Pitch-Slam auf der Achema sowie an Konferenzen zur Nachhaltigen und Grünen Chemie steigern. Auch haben wir für Start-ups erforderliche Schlüsselkompetenzen, wie die Identifikation von zentralen Punkten für die Geschäftsentwicklung und das Finden von Investoren sowie die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in der Prozessentwicklung aufgebaut. Und nicht zuletzt hat uns der regelmäßige Austausch bei globalen Workshops mit den Start-ups aus Asien, Afrika, Süd- und Nordamerika sowie Europa besonders inspiriert und motiviert.
Was waren die Highlights unter den realisierten Projekten?
Wir haben sehr unterschiedliche Projekte für unsere Kunden aus chemischer Industrie, Pharmasektor und Bioökonomie realisiert. Ein Highlight ist die Entwicklung eines robusten industriellen Prozesses für das Recycling von Schlüsselreagenzien unter Verwendung der Elektrodialyse, eine nachhaltige Technologie für die ressourcenschonende Wasser- und Chemikalienaufbereitung. Ein anderes die Einführung der Elektroreduktion bei der Herstellung von pharmazeutischen Inhaltsstoffen. Außerdem sind wir Partner in einem europäischen Netzwerk für die Entwicklung der Fließelektrosynthese für industrielle Anwendungen, eine zukunftsweisende Technologie für nachhaltige industrielle Prozesse. Und wir haben zwei Verfahrenspatente mit internationaler Ausdehnung angemeldet.
Was bedeuten das alles für Ihr Unternehmen?
Unser Weg wurde durch die Übernahme durch Diverchim CDMO gekrönt. Nun können wir Scale-up-Möglichkeiten nutzen, die Good-Manufacturing-Practice-Produktionen ausweiten. Gemeinsam können wir das Angebot von Diverchim in den Elektrosynthese, Elektrodialyse und Durchflusschemie als Schlüsseltechnologien zur Unterstützung umweltfreundlicherer Ansätze in der Wirkstoffentwicklung stärken.