Gerresheimer hat den testierten Jahres- und Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2025 veröffentlicht. Die Veröffentlichung war aufgrund interner Untersuchungen zur Umsatzrealisierung und Bilanzierung in den Geschäftsjahren 2024 und 2025 verschoben worden. Nach Abschluss der Untersuchungen wurden fehlerhafte Buchungen korrigiert und die Abschlüsse mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehen. Trotz eines anspruchsvollen Marktumfelds erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro und sieht sich mit dem geplanten Verkauf der US-Tochter Centor, einer Refinanzierung sowie dem laufenden Transformationsprogramm für die kommenden Monate gut aufgestellt.
Gerresheimer steigert Umsatz durch Bormioli-Übernahme
Der Konzernumsatz stieg im Geschäftsjahr 2025 um 16,6 Prozent auf 2,321 Milliarden Euro. Wesentlicher Treiber war die erstmalige Konsolidierung von Bormioli Pharma. Im Vergleich zu den währungsbereinigten Pro-forma-Zahlen des Vorjahres legte der Umsatz organisch um 0,3 Prozent zu. Das bereinigte Ebitda erreichte 384 Millionen Euro nach 388 Millionen Euro im Vorjahr auf vergleichbarer Basis. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Gerresheimer einen Umsatz in der unteren Hälfte der prognostizierten Spanne zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden Euro.
Wolf Lehmann, CFO der Gerresheimer, erklärt: „Die Veröffentlichung des testierten Jahres- und Konzernabschlusses 2025 ist ein wichtiges positives Signal für unsere Kunden, Finanzierungspartner und Investoren. Transparenz und Compliance haben für uns höchste Priorität. Wir haben die Sachverhalte umfassend aufgearbeitet und in den Abschlüssen berücksichtigt. Mit dem gut voranschreitenden Verkauf unserer US-Tochter Centor, der geplanten Refinanzierung und der weiterhin konsequenten Umsetzung unseres Transformationsprogramms werden wir darüber hinaus bereits in den nächsten Monaten unsere Finanzlage Schritt für Schritt verbessern.“
Hohe Nachfrage nach Drug Delivery Devices stützt das Geschäft
Der Geschäftsbereich Plastics & Devices entwickelte sich erneut positiv. Der Umsatz belief sich auf 1,346 Milliarden Euro, wovon rund 167 Millionen Euro auf Bormioli Pharma entfielen. Das bereinigte Ebitda erreichte 315 Millionen Euro. Organisch wuchs der Geschäftsbereich um 5,2 Prozent. Verantwortlich dafür war insbesondere die weiterhin hohe Nachfrage nach Drug Delivery Devices und Spritzen. Diese Entwicklung konnte die schwächere Nachfrage nach Primärverpackungen aus Kunststoff für pharmazeutische Oral Liquids ausgleichen.
Gerresheimer spürt Nachfragerückgang im Glasgeschäft
Weniger dynamisch entwickelte sich der Geschäftsbereich Primary Packaging Glass. Der Umsatz lag bei 983,5 Millionen Euro, das bereinigte Ebitda erreichte 126,2 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Umsätze organisch um 5,5 Prozent zurück. Belastend wirkten insbesondere die anhaltend schwache Nachfrage nach Primärverpackungen für pharmazeutische Oral Liquids. Positiv entwickelte sich dagegen das Geschäft mit sterilen und gebrauchsfertigen „Gx RTF Vials“, das den Rückgang bei Ampullen, Fläschchen und Karpulen jedoch nicht vollständig kompensieren konnte.
Wertminderungen belasten das Konzernergebnis von Gerresheimer
Das Konzernergebnis fiel mit minus 318,7 Millionen Euro deutlich negativ aus. Wesentliche Ursachen waren nicht zahlungswirksame Abschreibungen und Wertminderungen in Höhe von rund 521,5 Millionen Euro sowie Restrukturierungsaufwendungen von rund 71,8 Millionen Euro. Die Wertminderungen betreffen unter anderem Technologie- und Entwicklungsprojekte der Sensile Medical, Geschäfts- und Firmenwerte sowie Vermögenswerte des Glaswerks in Chicago Heights. Der Standort soll zum Ende des Geschäftsjahres 2026 geschlossen werden. Darüber hinaus erhöhten sich die planmäßigen Abschreibungen durch die Integration von Bormioli Pharma.
Verkauf von Centor und Refinanzierung sollen Finanzlage stärken
Für das Geschäftsjahr 2026 rechnet der Hersteller mit einer verbesserten Ertrags- und Finanzlage. Der Verkaufsprozess der US-Tochter Centor verläuft nach Unternehmensangaben planmäßig und soll noch im laufenden Jahr abgeschlossen werden. Zusätzlich plant das Unternehmen eine umfassende Refinanzierung seiner Fremdkapitalstruktur. Gemeinsam mit den Maßnahmen aus dem Transformationsprogramm und einem erwarteten umsatzstärkeren zweiten Halbjahr sollen diese Schritte die Profitabilität und Finanzlage nachhaltig verbessern.