Klimaneutrale Dampferzeugung: Pilotanlage im Pharma & Life Science Park Marburg in Betrieb
Klimaneutrale Dampferzeugung: Pilotanlage im Pharma & Life Science Park Marburg in Betrieb
Montag, 15. Juni 2026
| Redaktion
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v.l.n.r.: Dr. Thomas Spies (Oberbürgermeister Universitätsstadt Marburg), Dr. Martin Egger (Ceo Innexis Gruppe) Markus Stertmann (Innexis Marburg), Sasha Savic (Ceo E2S Power)
v.l.n.r.: Dr. Thomas Spies (Oberbürgermeister Universitätsstadt Marburg), Dr. Martin Egger (Ceo Innexis Gruppe) Markus Stertmann (Innexis Marburg), Sasha Savic (Ceo E2S Power), Bild: Innexis

Eine sichere, resiliente und nachhaltige Energieversorgung entwickelt sich für Pharma- und Life-Science-Standorte zu einer zentralen Zukunftsaufgabe. Vor diesem Hintergrund haben Innexis und das Schweizer Unternehmen „E2S Power” im Pharma & Life Science Park Marburg eine Pilotanlage für klimaneutrale Dampferzeugung in Betrieb genommen. Im Mittelpunkt steht ein Graphit-Wärmespeicher auf Basis der Twest-Technologie (Traveling Wave Energy Storage Technology) mit einer Speicherkapazität von sechs Megawattstunden. Die Anlage ist Teil der Dekarbonisierungsstrategie der Innexis Gruppe und soll die Nutzung erneuerbarer Energien für industrielle Prozesswärme voranbringen.

Energieversorgung wird zum Wettbewerbsfaktor für Pharmastandorte

Für die pharmazeutische Industrie ist Energie weit mehr als ein Betriebsfaktor. Sie bildet die Grundlage für stabile Produktionsprozesse, hohe Qualitätsstandards, regulatorische Sicherheit und die kontinuierliche Versorgung von Patienten weltweit. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an eine Energieversorgung, die effizient, widerstandsfähig und nachhaltig ist. „Der Pharma & Life Science Park ist für unsere Stadt und die gesamte Region, aber auch weit darüber hinaus ein zentraler Wirtschafts- und Innovationsstandort. Mit der konsequent auf Zukunft ausgerichteten Energieinfrastruktur bietet er Unternehmen nicht nur hohe Versorgungssicherheit und planbare Energiekosten, sondern schafft auch mehr Unabhängigkeit von volatilen Energiemärkten“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.

Klimaneutrale Dampferzeugung als Baustein der Dekarbonisierung

Dr. Martin Egger, CEO der Innexis Gruppe, sieht in dem Projekt einen wichtigen Schritt für die nachhaltige Entwicklung des Standorts: „Wer Versorgungssicherheit, regulatorische Anforderungen und Dekarbonisierung zusammenbringen will, braucht belastbare Infrastruktur und den Mut, neue Lösungen in die Praxis zu bringen. Genau daran arbeiten wir in Marburg und unseren anderen Parks.“ Das Projekt wird unter anderem vom Fraunhofer-Institut für Energieinfrastruktur und Geothermie begleitet. Ziel ist es, innovative Energielösungen unter realen Bedingungen zu testen und ihre Einsatzmöglichkeiten für die Prozessindustrie zu bewerten.

Graphit-Wärmespeicher unterstützt klimaneutrale Dampferzeugung

Der neu installierte Graphit-Wärmespeicher speichert überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien in Form von Wärme und stellt diese bei Bedarf als überhitzten Dampf zur Verfügung. Nach Angaben der Projektpartner erreicht die Anlage einen Wirkungsgrad von 95 Prozent. „Mit unserem Twest-System zeigen wir, wie erneuerbare Energie für industrielle Wärmeprozesse nutzbar gemacht werden kann. Für energieintensive Branchen wie Pharma ist das ein wichtiger Schritt, um Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit gemeinsam voranzubringen“, ergänzt Sasha Savic, CEO von „E2S Power”.

Pilotanlage deckt einen Teil des Dampfbedarfs in Marburg

Die Pilotanlage kann bis zu zehn Prozent des Dampfbedarfs am Standort Marburg im Werksteil Görzhausen decken. Während der vorgesehenen Testphase von knapp zwei Jahren sollen unterschiedliche Betriebszustände und Marktbedingungen untersucht werden. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen dazu, die Technologie optimal in die bestehende Energieinfrastruktur zu integrieren und die technische sowie wirtschaftliche Eignung für einen größeren Ausbau zu bewerten. Bei erfolgreichem Testbetrieb könnte die Speicherkapazität von derzeit sechs auf bis zu 60 Megawattstunden erweitert werden. Im Vollausbau wären eine elektrische Anschlussleistung von zehn Megawatt sowie eine Dampfleistung von bis zu 13 Tonnen pro Stunde möglich. Die Entscheidung über eine Umsetzung der Gesamtlösung soll voraussichtlich im Jahr 2028 getroffen werden.

Ausbau der Energieinfrastruktur bis 2030 geplant

Die Pilotanlage ist Teil einer langfristigen Strategie zur Dekarbonisierung des Pharma & Life Science Park Marburg. Die Innexis Gruppe verfolgt das Ziel, den Standort bis 2030 CO2-neutral zu betreiben. Bereits heute wird der gesamte Strombedarf des Parks durch erneuerbare Energien gedeckt. Zur Energieinfrastruktur gehören unter anderem eine Freiflächen-Photovoltaikanlage sowie Photovoltaikmodule auf dem Dach eines Parkhauses mit einer Gesamtleistung von rund vier Megawatt. Darüber hinaus kommen zwei unterirdische Eis-Energiespeicher mit 870 und 1.500 Kubikmetern Speichervolumen zur Kühlung des Logistikzentrums und eines Forschungsgebäudes zum Einsatz. Für die kommenden Jahre ist zudem der Bau von sechs Windenergieanlagen auf dem „Marburger Rücken“ geplant. Die Anlagen sollen jeweils eine Leistung von sieben Megawatt erreichen und einen weiteren Beitrag zur Versorgung des Standorts mit erneuerbarer Energie leisten.

Klimaneutrale Dampferzeugung als Modell für die Prozessindustrie

Mit der neuen Pilotanlage wollen Innexis und „E2S Power” zeigen, wie sich erneuerbare Energien für industrielle Wärmeprozesse nutzbar machen lassen. Das Projekt verbindet Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz und liefert wichtige Erkenntnisse für die Dekarbonisierung energieintensiver Branchen. Gerade in der Pharma- und Life-Science-Industrie, in der Prozessdampf eine zentrale Rolle spielt, könnte die klimaneutrale Dampferzeugung künftig einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen leisten. Der Praxistest in Marburg soll nun zeigen, welches Potenzial die Technologie für den großtechnischen Einsatz bietet.

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