Früher musste man im Bereich Pharmaforschung oft Tage investieren, um aus Hunderttausenden von wissenschaftlichen Publikationen die relevanten Informationen herauszufiltern. KI-gestützte Systeme verändern diese Arbeit grundlegend und eröffnen neue Wege, Wissen zu erschließen. Der Schlüssel zu diesem Wandel liegt in der sogenannten Cognitive Search. Sie markiert einen Paradigmenwechsel, der weit über die herkömmliche, schlüsselwortbasierte Suche hinausgeht, die lediglich lange Dokumentenlisten liefert. Cognitive Search dient als intelligente Plattform, die Informationen aus unterschiedlichen Quellen nicht nur findet, sondern sie miteinander verbindet, interpretiert und in sinnvolle Zusammenhänge bringt.
Kontextbasierte Antworten statt isolierter Trefferlisten
Statt Ergebnisse isoliert darzustellen, liefert Cognitive Search direkte, kontextbezogene Antworten. Forschende erhalten auf einen Blick präzise Einsichten, die fundierte Entscheidungen ermöglichen und komplexe Prozesse beschleunigen. So wird aus einer Suche ein Erkenntnisprozess, der Wissen strukturiert und leichter als je zuvor zugänglich macht.
Technologische Grundlagen: KI, ML, NLP und RAG
Dieser Ansatz basiert auf einem Zusammenspiel aus künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen (ML) und Natural Language Processing (NLP). Eine Schlüsselrolle spielt Retrieval-Augmented Generation (RAG), denn diese Methode ermöglicht das Verknüpfen von generativen Sprachmodellen mit verlässlichen Datenquellen, beispielsweise den spezifischen Unternehmensdatenquellen. Als Ergebnis erhalten Anwenderinnen und Anwender Inhalte, die basierend auf den Fakten aus strukturierten und unstrukturierten Datenquellen generiert werden, inklusive nachvollziehbarer Quellenangaben. Moderne Suchmechanismen wie die semantische und hybride Suche erfassen die Absicht hinter einer Anfrage und bewerten die Ergebnisse nach Relevanz und Kontext. Die Interaktion mit der Plattform erfolgt über intuitive, konversationelle Schnittstellen. KI-gestützte Assistenten begleiten Forschende durch den gesamten Prozess von der ersten Fragestellung bis zur fundierten Erkenntnis.
Cognitive Search in der pharmazeutischen Forschungspraxis
Ein Cognitive-Search-System in der pharmazeutischen Forschung analysiert wissenschaftliche Inhalte aus Datenbanken, klinischen Registern und internen Forschungsarchiven. So entstehen innerhalb weniger Minuten faktenbasierte und kontextbezogene Antworten, für die sonst umfangreiche und zeitaufwendige Recherchen notwendig waren. Statt langer Trefferlisten liefert die KI synthetisierte, evidenzbasierte Zusammenfassungen. Forschende erhalten präzise Antworten, mit direktem Verweis auf die zitierte Datenquelle. Dadurch lässt sich jede Aussage wissenschaftlich nachvollziehen.
Suchprozesse verfeinern durch Filter und Klassifikationen
Das System verknüpft verschiedene Informationsebenen zu einem konsistenten Wissensnetz. Nutzerinnen und Nutzer können durch gezielte Filtermöglichkeiten wie Zeitraum, Klassifikationen wie Med-DRA oder nach Molekültyp ihre Suche weiter präzisieren und gelangen mit wenigen Klicks zu noch konkreteren klinischen Erkenntnissen. Über die Eingabe in natürlicher Sprache lassen sich zudem gezielte Fragen stellen. Das System liefert überprüfbare, evidenzbasierte Antworten, ergänzt durch relevante Studien, Reviews und Metaanalysen.
Semantische Analyse und Ontologien in der Cognitive Search
Ein entscheidender Vorteil liegt in der intelligenten Kontextanalyse. Cognitive Search identifiziert verwandte Konzepte, markiert Schlüsselbegriffe und ordnet sie mithilfe semantischer Ontologien. Diese Wissensmodelle zeigen, wie Begriffe miteinander in Beziehung stehen. Beim Mouseover über einen Fachbegriff erhalten Anwenderinnen und Anwender verwandte Themen, ähnliche Publikationen und ergänzende Daten. Dadurch entsteht eine umfassende Sicht auf das jeweilige Forschungsgebiet.
Darüber hinaus ermöglicht die Plattform eine tiefgehende Analyse der wissenschaftlichen Landschaft. Forschende erkennen führende Autorinnen und Autoren, Institutionen, Förderströme und Kooperationen. Auf diese Weise entsteht ein vollständiges Bild internationaler Forschungsaktivitäten, von der Grundlagenarbeit bis zur klinischen Anwendung.
Cognitive Search als Schlüsseltechnologie in der Pharmaindustrie
Durch die Verbindung von Suche, Kontextanalyse und Wissensgenerierung entwickelt sich Cognitive Search zu einem strategischen Werkzeug der Pharmaindustrie. Die Technologie beschleunigt Forschungsvorhaben, verbessert die Qualität wissenschaftlicher Entscheidungen und eröffnet neue Perspektiven auf Wissen, das bisher im Datenmeer verborgen blieb.
Autor
Mario Matuschek
AI Solution Manager bei Mindbreeze