Industrie 4.0: Digitalisierung für Rückverfolgbarkeit

Das System weiß alles

Industrie 4.0

Alle Welt redet von Industrie 4.0. Viele haben aber nur eine vage Vorstellung, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Digitalisierung, Vernetzung, Internet der Dinge sind die Schlagworte. Der Maschinen- und Anlagenbau ist Schlüsselindustrie für die erfolgreiche Umsetzung von Industrie 4.0. Auch in der Pharmaindustrie wird die Rückverfolgbarkeit der Produkte und am Prozess beteiligten Einzelteile immer wichtiger.

Man will einfach sicher sein, dass mit einem Medikament alles in Ordnung ist. Investitionen in die so genannte Traceability unbeliebt, denn man investiert in etwas und hofft zugleich, dass man es nie brauchen wird. Bei ebm-papst entfallen zusätzliche Prozesse zur Rückverfolgbarkeit, denn die Elektromotoren und Ventilatoren dieses Antriebsspezialisten testen und dokumentieren sich während ihrer Fertigung selbst und sammeln hierbei viele Informationen für die Traceability.

Rückverfolgbarkeit durch Digitalisierung und Vernetzung
Grundlage der Rückverfolgbarkeit ist die Digitalisierung und anschließende Vernetzung der Daten des gesamten Produktionsprozesses. Damit hat ebm-papst schon vor einigen Jahren begonnen. So bekommt beispielsweise gleichaussehendes Material eine Identifikationsnummer. Mit ihr kann das Teil sich gegenüber der Stückliste identifizieren. Somit wird sichergestellt, dass auch das richtige Material verbaut wird. Ist so ein Teil fehlerhaft, wird dies beim vorhergehenden Prozess erkannt und kann erst weiter verbaut werden, wenn der Fehler behoben wurde. Die Informationen werden also vorbeugend im Prozess verwendet. 

Die Vorbeugung und Prozessabsicherung ist extrem wichtig für ein Unternehmen, dessen Produkte in fast allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens im Einsatz sind. Das Sortiment ist entsprechend riesig. Es umfasst derzeit rund 15.000 Produkte. Diese Vielfalt in den Griff zu bekommen und möglichst schnell und effizient Aufträge erledigen zu können, gab daher auch den Ausschlag zum Einstieg in „Industrie 4.0“ oder die Vernetzung der gesamten Fertigung.

Digitalfluss über der Fertigung
„Wir haben in der Vergangenheit die Fertigung schneller umgestellt als wir die Software anpassen konnten. Das war mit ein Treiber, warum wir nach einer anderen Lösung gesucht haben“, sagt Georg Schappes, der für die Umsetzung des Projektes ‚Digitalfluss über der Fertigung‘ verantwortlich ist. Zunächst einmal erforderte der neue Ansatz ein Umdenken. „Wenn man von Industrie 4.0 oder von vernetzen Informationen spricht, darf man nicht sagen, die Fertigung muss warten, bis die IT ein Programm fertig hat. Das muss alles parallel geschehen. Sehr viele Unternehmen haben das noch nicht erkannt. Wir haben dies mit Hilfe von SAP ME realisieren können. Zusammen mit der IT werden heute die einzelnen Bausteine entworfen. Wie und in welcher Reihenfolge diese in der Produktion zum Einsatz kommen, bestimmt schließlich die Produktion selber vor Ort ohne die IT.“

Der Digitalfluss ermöglicht bei ebm-papst auch die Fertigung eines Produkts an mehreren Standorten in einem Prozess. Beispielsweise kann ein Produkt am Heimatstandort in Mulfingen in Baden-Württemberg vorgefertigt werden, danach wird es in Ungarn weiterverarbeitet und kommt schließlich zur abschließenden Behandlung wieder zurück. Die nötigen Daten sind überall verfügbar, weil alles miteinander vernetzt ist und miteinander kommunizieren kann. Tritt irgendwo ein Fehler auf, meldet sich das defekte Teil von selbst. Das System kennt also zu jeder Zeit auch den Zustand aller Produkte und jede Materialbeschaffenheit. Das erleichtert die Qualitätssicherung enorm. Früher machte man Stichproben, aber die bringen naturgemäß keine hundertprozentige Sicherheit. Heute stehen viel mehr Informationen zur Verfügung. Jedes Teil kann jederzeit auf seinen Zustand überprüft werden.

Noch befindet sich der Digitalfluss über der Fertigung in der Umsetzungsphase. Aber das Wort ist irreführend, ein Ende dieser Umsetzung ist nicht in Sicht. Man wird niemals fertig sein, denn es liegt in der Natur der Technik, dass sie immer weiterentwickelt wird.